Kirchengemeinde hat neuen Träger fürs Kinderhaus gefunden RP vom 11.01.2020

Das Kinderhaus hat die Evangelische Kirchengemeinde Ende der neunziger Jahre neu gebaut. Das Grundstück gehört der Stadt Rheinberg. Foto: Armin Fischer

Die Evangelische Kirchengemeinde Rheinberg möchte ihre Einrichtung an die Bethanien Diakonissen-Stiftung mit Hauptsitz in Frankfurt abtreten.

Die lange, fast zehnjährige Suche nach einem neuen Träger für das Evangelische Kinderhaus an der Fossastraße in Rheinberg könnte bald beendet sein. Die Evangelische Kirchengemeinde möchte ihre Einrichtung an die Bethanien Diakonissen-Stiftung mit Hauptsitz in Frankfurt abtreten. „Unter der Voraussetzung, dass das Rheinberger Jugendamt und das Landesjugendamt dem Trägerwechsel zustimmen, würde die Stiftung zum neuen Kindergartenjahr im Sommer die Trägerschafübernehmen“, sagte Pfarrer Udo Otten.

Vereinbart sei, dass Kirchengemeinde und Stiftung in allen Fragen der religionspädagogischen Arbeit, bei den Gottesdiensten und der seelsorglichen Begleitung von Eltern, Erziehern und Team eng zusammenarbeiten, „so dass das christlich-diakonische Profil der Einrichtung erhalten bleibt und sogar noch gestärkt werden kann“. An der Zusammensetzung des Teams und der konzeptionellen Ausrichtung des Kinderhauses soll sich nichts ändern, so Udo Otten. Im Kinderhaus werden 75 Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren betreut, davon 65 mehr als 45 Stunden in der Woche und zehn bis zu 35 Stunden pro Woche. Beschäftigt sind in der Einrichtung zwölf Erzieherinnen, eine Jahrespraktikantin, eine Hauswirtschafterin und eine Hausmeisterin als 450-Euro-Kraft.

Die Bethanien Diakonissen-Stiftung ist ein diakonischer Träger, der deutschlandweit in der stationären Kranken-, Suchtkranken- und Altenhilfe tätig ist und sich in der „Sternenkinderarbeit“ engagiert: in der Beratung und Begleitung von Familien, in denen ein Kind vor, bei oder kurz nach der Geburt gestorben ist. Pastor Otten: „Die Stiftung bringt vor allem große Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe ein. In Nordrhein-Westfalen ist sie bereits Träger von vier Kindertagestätten. Weitere kommen bald hinzu.“

Der Kontakt sei entstanden, als er Anfang November von einer Kollegin aus der Gemeindeberatung der Landeskirche auf die Stiftung hingewiesen worden sei, weil die Stiftung in Solingen und Mülheim evangelische Kitas übernommen hatte. Otten: „Drei Tage später habe ich mit dem kaufmännischen Vorstand telefoniert, Mitte Dezember hat der uns besucht, am Mittwoch dieser Woche hat uns der theologische Vorstand im Presbyterium besucht.“

Schon zweimal hatte Otten interessierte Träger vorgestellt – zunächst das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD), später den Neukirchener Erziehungsverein. Beide waren wieder abgesprungen. Die Gemeinde hatte angegeben, die Finanzierung der Kita nicht mehr stemmen zu können. Schuld sei das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) und die dadurch entstandene „völlige Unterfinanzierung“. Der Pfarrer: „Seit etlichen Jahren haben gesetzliche Maßnahmen die Refinanzierung der Kita-Arbeit elementar verändert. Damit einher ging ein erheblich erhöhter Verwaltungsaufwand. Zeitgleich kam es zu Strukturveränderungen in der kirchlichen Verwaltung mit großen Auswirkungen auf die Arbeit und die Haushaltsführung der Kirchengemeinde. Alles zusammen führte dazu, dass wir uns nicht mehr in der Lage sahen, die langfristige Weiterführung der Trägerschaft zu garantieren.“

Rosemarie Kaltenbach, als Sozialdezernentin der Stadt Rheinberg auch für die Kindertagesstätten zuständig, sagte: „Prinzipiell haben wir nichts gegen einen Trägerwechsel einzuwenden. Wir freuen uns, dass die Kirchengemeinde Rheinberg einen Interessenten gefunden hat.“ Vor dem Hintergrund einer gesetzlich vorgeschriebenen Trägervielfalt sei es sogar wünschenswert, auch evangelische Einrichtungen vorzuhalten. Allerdings kenne die Stadt den von der Gemeinde genannten Träger bisher nicht. „Wir gehen davon aus, dass sich Vertreter der Stiftung in der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 12. Februar vorstellen werden. Denn der Jugendhilfeausschuss trifft die Entscheidung.“ Über Detailfragen müsse noch gesprochen werden.

Von Uwe Plien

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