Die Kirchen gehen online durch die Krise RP 17.01.2021

Der Rheinberger Pfarrer Udo Otten in seinem Arbeitszimmer am Innenwall während einer Video-Konferenz mit Kollegen. Bei Online-Gesprächen fehlt die Nähe, aber sie seien momentan alternativlos. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Die vier evangelischen Gemeinden in Rheinberg – Wallach-Ossenberg-Borth, Budberg, Orsoy und Rheinberg-Mitte – setzen zunehmend auf Internet-Gottesdienste und Gespräche auf Distanz.

Die Kirchen müssen aufpassen, dass ihr die Schäfchen nicht abhanden kommen. Wegen Corona und den Beschränkungen kein leichtes Unterfangen.
Die evangelischen Kirchengemeinden in Rheinberg setzen dabei auf eine Digital-Strategie. „Dass Vieles nur noch online möglich ist, ist meist nur die zweit- oder drittbeste Lösung“, sagt Udo Otten, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinberg. „Aber was bleibt uns übrig?“

Jeden Sonntag gibt es einen Online-Gottesdienst. Solange noch Präsenzgottesdienste möglich waren, wurden sie live und in Farbe übertragen. Jetzt, in Zeiten der strengen Einschränkungen, werden sie aufgezeichnet und über den Youtube-Kanal „Evangelische Kirche Rheinberg“ ausgespielt. Darüber lassen sich auch die Reichweiten feststellen. Ein Zähler weist aus, wie oft der Beitrag angeklickt worden ist. Otten: „Wir können auch sehen, wie lange die Zuschauer den Beitrag laufen lassen. Im Schnitt dauert ein Gottesdienst 30 bis 40 Minuten und im Schnitt verfolgen die Besucher ihn zu 80 Prozent.“

Info

Die vier Gemeinden sind enger zusammengerückt

Kooperation Als Pfarrer sei man gewissermaßen ein „gelernter Einzelkämpfer“, sagt Udo Otten. In der Corona-Krise seien seine Kollegen und er näher zusammengerückt: „Wir verstehen uns gut.“ Das drücke sich beispielsweise über die neue gemeinsame Internetseite www.evangelisch-in-rheinberg.de aus.

„Normale“ Gottesdienste werden etwa 100 bis 150 Mal angeklickt, besondere wie die Christvesper durchaus 400 Mal. Udo Otten: „Das ist nicht schlecht, wobei man natürlich sehen muss, dass diese Gottesdienste jeweils für alle vier Kirchengemeinden sind.“ Also für Wallach-Ossenberg-Borth, Budberg, Orsoy und Rheinberg. Zum Glück, so sagt der Rheinberger Pastor, verfügten auch immer mehr Senioren über Computer mit Internet-Zugang, so dass sie technisch in der Lage seien, die Angebote zu nutzen.

Zurückgefahren haben die Gemeinden ihre Impuls-Botschaften, die sie zusätzlich zu den Gottesdiensten produziert und veröffentlicht haben. Kleine Filmchen, von den Pfarrern Udo Otten und Heiner Augustin (Budberg und Orsoy) an unterschiedlichen Orten gedreht, oftmals unter freiem Himmel. Nicht mehr jede Woche entsteht so ein Video nun, sondern nur noch einmal im Monat. Udo Otten: „Wenn ich einen solchen Beitrag am Computer schneide, dauert das sechs bis sieben Stunden. Für einen Gottesdienst gehen immerhin vier bis fünf Stunden drauf. Das ist einfach sehr zeitaufwendig.“

Parallel zu diesen Angeboten rufen Pastor Otten und sein Rheinberger Team gezielt Gemeindeglieder ab 70 Jahren zu Hause an, um sich nach deren Wohlempfinden in schwerer Zeit zu erkundigen. Diese Altersgruppe macht ein Drittel aller Rheinberger Gemeindeglieder – rund 3000 – aus. „Die meisten freuen sich, wenn wir sie anrufen“, hat der Kirchenmann festgestellt.

Immer mehr Gespräche und Konferenzen laufen per Video, meistens über Zoom. „Ich hatte jetzt sogar schon Trauergespräche, die auf diesem Weg stattgefunden haben“, erzählt Udo Otten. In solchen Bild- und Tongesprächen fehle natürlich etwas, das emotionale Moment, aber es sei doch persönlicher als ein reines Telefonat. In letzter Zeit hätten ihn vier Frauen und Männer angerufen und um persönliche Gespräche gebeten. Mehrmals sei zum Ton auch das Bild dazu geschaltet worden. „Wir nutzen dieses Medium auch für unsere Presbyteriumssitzungen – und es geht“, so Otten. „Aber es ist nicht das gleiche. Unter normalen Umständen umarmen wir uns erst einmal alle, weil wir uns gut kennen. Und bevor wir nach ein paar Stunden auseinandergehen, trinken wir oft noch ein Glas zusammen. Aber darauf müssen wir vorerst verzichten. Man bekommt bei Zoom-Gesprächen einfach die Stimmung, die Atmosphäre, nicht hin. Da fehlt etwas.“ Online ist eben kühler – aber es ist besser als nichts.

Von Uwe Plien

 

Das könnte dich auch interessieren …