Konfirmation im Zirkuszelt RP 02.05.2021

Gottesdienst im Zirkuszelt: Die Konfirmanden mit Pfarrer Wolfgang Willnauer-Rosseck. Foto: Armin Fischer (arfi)

Die Corona-Pandemie erschwert die Feier der Konfirmation in der evangelischen Kirche. In Rheinberg verschieben Gemeinden deshalb die Termine. In Xanten weichen Pfarrer, Konfirmanden und Familien in ein Zirkuszelt aus.

Wolfgang Willnauer-Rosseck ist seit 18 Jahren evangelischer Pfarrer und hat schon unzählige Gottesdienste geleitet. Die allermeisten dürften in einer Kirche gewesen sein. Am Samstag stand er dagegen in einem Zirkuszelt vor einem Altar und feierte in der Manege mit rund 35 Menschen die Konfirmation von fünf Jugendlichen.

Viele Familien hätten die Konfirmation ihrer Töchter oder Söhne jetzt im Frühjahr feiern wollen, nach einem Jahr der Vorbereitung, berichtete Willnauer-Rosseck weiter. Deshalb habe sich die Evangelische Kirchengemeinde Xanten-Mörmter überlegt, wie der Konfirmationsgottesdienst trotz der Corona-Pandemie möglich ist. Sie habe den Familien dann das Zirkuszelt vorgeschlagen um das Infektionsrisiko so weit wie möglich zu senken. Dort hätten sie mehr frische Luft, sie könnten auch die Stühle flexibler aufstellen als in der Kirche, wo feste Holzbänke stehen, erklärte Willnauer-Rosseck. So habe jede Familie mit bis zu zehn Teilnehmern kommen können.

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Mündige Mitglieder der Gemeinde

Hintergrund Die Konfirmation ist ein feierlicher Segnungsgottesdienst, in dem sich junge Menschen zu ihrem christlichen Glauben bekennen, wie die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) erklärt. Demnach bekräftigen die Konfirmanden damit ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde, die zuvor mit der Taufe, meist im Säuglingsalter, geschehen ist. Im Alter von 14 Jahren sind die Jugendlichen religionsmündig und erhalten damit alle Rechte innerhalb der evangelischen Kirche. Die Konfirmation geht auf die Reformationszeit zurück.

Für den Konfirmationsgottesdienst habe die Kirchengemeinde das Zelt der Zirkusfamilie Jonny Casselly Junior nutzen dürfen. Im Gegenzug unterstütze sie die Artisten mit einer Spende – diese dürfen wegen der Pandemie seit einem Jahr nicht mehr auftreten. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Willnauer-Rosseck einen Gottesdienst in einem Zirkuszelt feiert. Vor wenigen Jahren habe es einen Adventsgottesdienst in Cassellys Zelt gegeben, er habe auch schon das Kind einer Zirkusfamilie getauft, berichtete der Pfarrer. Er finde sich in der halbrunden Manege gut zurecht. Der Gottesdienst sei im Zelt etwas locker, „für mich ist das gut“. Während er nach der Feier darüber sprach, kam eine der Teilnehmerinnen zu ihm und dankte für den Gottesdienst: „Es war wunderschön.“

Am Sonntag war ein weiterer Konfirmationsgottesdienst mit weiteren Jugendlichen geplant, am nächsten Samstag folgt ein dritter. Es hätten einige Familien aber auch entschieden, noch einige Monate zu warten, in der Hoffnung, dass im Spätsommer auch Familienfeiern nach dem Gottesdienst möglich sind. Im Moment gelten Kontaktbeschränkungen für private Treffen. Auch während des Gottesdienstes mussten die Teilnehmer Abstand halten, Masken tragen, und das Singen war verboten.

In Rheinberg sind die Konfirmationsfeiern dagegen verschoben worden, sagt Heiner Augustin, Pfarrer in den evangelischen Kirchengemeinden Budberg und Orsoy. „Neue Termine sind nun der 12. und 19. September.“ Ähnlich wie 2020 ruhen alle Hoffnungen darauf, dass die Infektionszahlen im Sommer sinken und damit Lockerungen einhergehen – damit überhaupt Konfirmationsunterricht stattfinden kann, wie Augustin sagt. Wegen der Kontakteinschränkungen sei das nicht möglich gewesen. Gottesdienste seien zwar online und auch unter Einhaltung der Hygieneregeln in der Kirche gefeiert worden. Doch der „Konfi“-Unterricht sei nicht in die digitale Welt verlegt worden. Neben Homeschooling auch noch Homekonfi? Pfarrer Heiner Augustin hält das für keine gute Idee. „Das Gemeinschaftserlebnis bekommt keine Videokonferenz hin.“

Ausflüge, gemeinsame Wochenenden, Zusammenkünfte – was für viele Konfi-Generationen selbstverständlich war, sei für die aktuellen Konfirmanden unmöglich, bislang jedenfalls, sagt Pfarrer Augustin. Er hoffe, dass im Sommer Konfi-Veranstaltungen nach draußen verlagert werden können. „Eventuell auch mit vorherigem Test.“ Schon jetzt steht fest, dass sich die Corona-Pandemie auch auf den kommenden Konfirmandenjahrgang auswirken wird: Dieser startet deshalb voraussichtlich erst Ende Oktober mit dem Unterricht.

Auch in der Evangelischen Kirchengemeinde Wallach-Ossenberg-Borth hat man sich dazu entschieden, die Termine neu anzusetzen. Pfarrerin Ulrike Thölke: „Unsere 19 Konfirmanden und Konfirmandinnen werden nicht jetzt, sondern erst am 29. August und am 5. September konfirmiert. Wer wann an die Reihe kommt, stimme ich jetzt mit den Eltern ab.“ Sie hoffe, mit den Konfirmanden im Sommer noch eine Freizeit machen zu können.

Auch Pastor Udo Otten weicht auf den 29. August aus. „So Gott will und Corona uns aus den Klauen lässt, werden wir die Konfirmationen an diesem Sonntag open air auf der Kulturbühne an der Kirche feiern“, sagte der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinberg.

(nmb/up/wer)

Von Nicole Maibusch, Uwe Plien und Markus Werning

 

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